Stress

Stress – ein aktuelles Thema

In unserem Arbeitsalltag sind Stress und seine Folgen allgegenwärtig: 32 Prozent der Deutschen leiden häufig oder sogar ständig unter Stress. Weitere 50 Prozent gelegentlich (Forsa, 2009). Viele spüren bereits die Folgen der dauerhaften Belastung: Mehr als ein Drittel der Arbeitnehmer in der EU berichten über stressbedingte Gesundheitsprobleme.

Ebenso viele Beschäftigte in Deutschland sind der Ansicht, dass sie ihre Arbeit unter den derzeitigen Anforderungen wohl nicht bis zum Rentenalter ausüben können (Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen, 2008).

In Deutschland hat sich der Anteil psychischer Störungen an den Arbeitsunfähigkeitszeiten in den letzten 30 Jahren von 2 Prozent auf 11 Prozent mehr als verfünffacht (BKK Gesundheitsreport 2010). Sie sind heute die viertwichtigste Krankheitsgruppe, Tendenz steigend, trotz insgesamt rückläufigen Krankenstands.

Psychische Erkrankungen sind die häufigste Ursache für krankheitsbedingte Frühberentungen (in den letzten 15 Jahren stieg ihr Anteil von 15,4 Prozent auf 37,7 Prozent; Deutsche Rentenversicherung Bund 2009). Die Krankheitskosten von psychischen Erkrankungen liegen bei knapp 27 Milliarden Euro pro Jahr (Statistisches Bundesamt 2009). Wenn der Kostenanstieg sich weiterhin so rasant fortsetzt, könnten die Kosten laut Berechnungen des Statistischen Bundesamts bis 2030 um 20 Prozent auf rund 32 Millarden Euro anwachsen.

Die Verluste für die Volkswirtschaft, aufgrund von Arbeitsunfähigkeit, Invalidität oder vorzeitigem Tod, werden auf rund 763.000 verlorene Erwerbstätigkeitsjahre geschätzt; das entspricht einem Anstieg von mehr als 23 Prozent in den letzten sechs Jahren (Statistisches Bundesamt 2010).

Management- und Führungsprobleme wie auch das persönliche Leid der Betroffenen drücken auf die Betriebskultur und das Betriebsklima. Daher ist es wichtig Arbeitgebern ein probates Mittel an die Hand zu geben, mit dem sie sich ein Bild über den aktuellen Zustand ihres Betriebs verschaffen, Bereiche mit Handlungsbedarf identifizieren und in der Folge die Wirkung umgesetzter Maßnahmen überprüfen können.

Was ist Stress?

Stress ist ein subjektiv wahrgenommenes Ungleichgewicht zwischen Anforderungen (inneren und/oder äußeren) und Handlungsmöglichkeiten. Dieser Ungleichgewichtszustand ist persönlich bedeutsam und wird als unangenehm erlebt. Merkmale des Arbeitsplatzes, welche bei der Mehrheit der Betroffenen mit erhöhter Wahrscheinlichkeit Stress auslösen, werden als Stressoren bezeichnet (Zeitdruck, Konflikte, Lärm etc.). Das Erleben von arbeitsbedingtem Stress ist von Aspekten der Arbeit, der Organisation der Arbeit sowie vom Arbeitsumfeld abhängig.

Stresssymptome

Treten Stressereignisse gehäuft auf oder dauern über eine längere Zeit an, stellen sie Risikofaktoren für die Gesundheit dar. Im Folgenden eine Auswahl typischer Stressreaktionen:

  • Physisch: Verspannungen, Verdauungsprobleme, Kopfschmerzen, Herz-Kreislaufprobleme (erhöhter Blutdruck und Herzschlag), Schlafstörungen
  • Psychisch: Gefühl der Überforderung, Gereiztheit, Nervosität, Selbstzweifel, Angstzustände, Ärger
  • Verhalten: Vergesslichkeit, Unkonzentriertheit, Entscheidungsprobleme

Ressourcen

Nicht jede Person, die hohen Belastungen ausgesetzt ist, erkrankt. Verfügt die Person über ausreichend Ressourcen, d.h. Faktoren, die den Umgang mit der belastenden Situation erleichtern, kann sie die Belastungssituation in positivem Sinne meistern. Solche Ressourcen können einerseits in der Organisation, andererseits in der Person selber begründet sein. Als wichtigste organisationale Ressourcen gelten Handlungsspielraum, ein vorteilhaftes Vorgesetztenverhalten und soziale Unterstützung. Personale Ressourcen beinhalten z. B. den Gesundheitszustand, berufliche Qualifikationen oder Persönlichkeitsmerkmale wie Selbstvertrauen und Optimismus.

Resilienz

Resilienz ist ein Wort aus der Werkstoffkunde. Es schildert die Fähigkeit eines Stoffes nach einer Verformung durch Druck- oder Zugeinwirkung wieder in seine alte Form zurückzukehren. Diese Definition veranschaulicht die Fähigkeit eines Systems, von aussen oder innen kommende Irritationen auszugleichen oder ertragen zu können, ohne seine eigene ursprüngliche Form einzubüssen oder kaputtzugehen.

Wissenschaftler verschiedener Disziplinen konnten in zahlreichen Studien belegen, dass Menschen ihre innere Widerstandskraft, ihr Selbstbewusstsein, ihr Gefühl für Selbstwirksamkeit und ihre Souveränität wirksam fördern können. Sie sind sich heute einig, dass Resilienz keine Eigenschaft ist, die uns Menschen in die Wiege gelegt wurde. Sie ist eine Veranlagung, die bei jedem unterschiedlich ausgeprägt ist, aber aktiv angestossen und gestärkt werden kann.

Das Wohlbefinden einer Person hängt in starkem Masse von der Balance zwischen potentiellen Stressoren und individuellen Ressourcen der Person sowie zwischen geleistetem Arbeitseinsatz und betrieblichen Belohnungen (Wertschätzung, Arbeitsplatzsicherheit, Lohn) ab. Ein ausgeglichenes Verhältnis von Berufs- und Privatleben unterstützt einen guten Umgang mit Stress und fördert das Wohlbefinden.

Der Umgang mit Stress wird immer mehr zur beruflichen Kernkompetenz. Ansatzpunkte zur Stressbewältigung liegen einerseits im Verhalten der Mitarbeitenden, andererseits in der Gestaltung der Arbeitsaufgaben und der Arbeitsorganisation.

Weitere Informationen zum Thema Stress finden Sie in unserem E-Book „Ressourcenförderung in Zeiten ständigen Wandels" oder unter www.baua.de, www.osha.de und www.inqa.de.